Erasmus+ auf Madeira – Kultur, Landwirtschaft, Natur und gemeinsames Lernen

Madeira zeigte uns, wie Kultur, Landwirtschaft, Regionalität und gemeinsames Tun zu einem ganzheitlichen Lernerlebnis verschmelzen, das Sinn, Gemeinschaft und Nachhaltigkeit auf einzigartige Weise erfahrbar und möglich macht.

Der vierte Tag auf Madeira stand ganz im Zeichen von Kultur, Begegnung, Regionalität und Landwirtschaft. Beim Besuch einer kleinen, familiengeführten Farm lernten die Teilnehmenden eine andere, achtsame Form der Landwirtschaft kennen – geprägt von Kreislaufdenken, Leidenschaft und Gemeinschaft. Dabei wurde deutlich, wie eng ökologisches Bewusstsein, Nachhaltigkeit und menschliche Verantwortung miteinander verbunden sind und wie man dies leben kann. Es entstand ein tiefes Verständnis für die kulturell gewachsenen Zusammenhänge zwischen Natur, Arbeit und Identität – und wir erfuhren auch hier eine überwältigende Gastfreundschaft und Zufriedenheit „im Kleinen“.
Beim gemeinsamen Kochen – Espetada und Broas de Mel – wurde „Kochen ist Bildung“ auf besonders lebendige Weise erfahrbar: mit allen Sinnen, mit Feuer, Genuss und Teamgeist. Hier wurde spürbar, wie Erfahrung, Kreativität und Zusammenarbeit Wissen erzeugen können – auf eine Weise, die durch reine Theorie oder PowerPoint-Präsentationen nicht entstehen würde. Die Teilnehmenden erlebten, wie Verantwortung, Kommunikation und gemeinsames Handeln unmittelbar ineinandergreifen und wie Lernen zu einem sinnlichen, sozialen und gemeinschaftlichen Erlebnis wird.
Die anschließende Führung durch ein ökologisches Weingut, das Madeira-Wein-Tasting und ein wunderbarer Sonnenuntergang mit gutem Essen rundeten den Tag genussvoll ab. Auch hier zeigte sich, dass Wissen, Kultur und Genuss nur durch die Authentizität der Vermittlung wirklich lebendig werden können und dadurch Bedeutung und Wertschätzung für das Essen und die Landwirtschaft entsteht. Der Tag war von unseren Gastgebern hervorragend geplant und mit großer Herzlichkeit begleitet.
Die Erfahrungen dieser Tage bestärken das Team der Bauernschule darin, Landwirtschaft, Kultur, regionale Identität, Lebensfreude, Naturverbundenheit und gemeinschaftliches Lernen als zusammenhängende Elemente zu sehen – und künftig noch stärker in der pädagogischen Arbeit zu vereinen.

Unsere Erasmus-Reise nach Madeira wurde in den noch kommenden Tagen zu einer eindrucksvolle Schule des Lernens in und von der Natur. Bei einer Levada-Wanderungen auf Madeira wanderten wir entlang von Bewässerungskanälen, oft mit beeindruckenden Landschaften, Wäldern und Tunneln. Im 15 Millionen Jahre alten Lorbeerwald – dem Laurisilva, UNESCO-Weltnaturerbe – suchten wir uns den Weg in kühlem Nebel, begegneten gelassenen Kühen und standen schließlich staunend vor den mächtigen Berggipfeln, die das zentrale Gebirge der Insel prägen. Noch deutlicher wurde die Bedeutung aktiver Naturschutzarbeit im Parque Ecológico do Funchal: Ein engagierter Ranger schilderte uns die Herausforderungen durch invasive Arten wie die Silber-Akazie, bevor wir selbst mit Handschuhen und Werkzeug zur Tat schritten. Dabei wurde spürbar, dass Natur kein Selbstläufer ist, sondern Pflege, Wissen und Einsatz braucht. 
Genau darin liegt der Schatz, den Madeira uns mitgegeben hat: Lernen im echten Raum, im Kontakt mit Erde, Pflanzen und in Kontakt mit den Menschen – ein Lernen, das auch für die Bauernschule richtungsweisend ist. Bildung muss dort stattfinden, wo Wirklichkeit geschieht, denn nur so entsteht Verständnis für Ökosysteme, Verantwortung für die Kulturlandschaft und Motivation, Nachhaltigkeit wirklich zu leben.